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Tradition seit 1752

In diesen Tagen kann das jetzige Café & Restaurant "Weisser Schwan", Waisenstraße 13 (heute Dortustraße), auf ein über 260 Jähriges Bestehen als Gaststätte zurückblicken. Ein gutes Stück Geschichte der Stadt, ihrer Kultur und des Potsdamer Bürgertums ist mit dem schönen behäbigen Haus aus der Zeit des Soldatenkönigs verbunden.

 

Der Name "Schwan" ist uns bereits im achtzehnten Jahrhundert bezeugt und alter Herkunft, denn der Schwan ist der charakteristische Havelvogel. Neben dem "Adler", dem Königssymbol, dem "Bären", dem Wappen Berlins, den "Drei Hechten", dem Sinnbild der Havelfischerei, ist der "Schwan" im Zeitalter des zweiten und dritten Preußenkönigs ein prächtig bezeichnendes und volkstümliches Wahrzeichen für einen Gasthof. Sind doch die Schwäne ein alter und ehrwürdiger Bestand unserer Havel.

 

Bereits im Jahre 1582 unter Kurfürst Johann Georg erging ein Verbot, sie abzuschießen und unter dem großen König wurden sie zu bestimmter Jahreszeit eingefangen und "gepflückt". Auch brach man ihnen einen Flügel ein, um das Wegfliegen zu verhindern. Im Winter sorgte man dafür, dass sie ihr Futter erhielten und nicht erfroren. So ist denn nicht verwunderlich, dass ein Gasthof schon früh den Namen "Zum Schwan" erhielt.

 

Das Haus Waisenstraße 13 muss nach der Anlage der zweiten Neustadt Friedrich Wilhelm I. zwischen 1733 und 1740 entstanden sein. Erst eine Reihe von Jahren nach dem Neubau erhielt es, wie es bei vielen Häusern der neuen Stadtteile üblich war, den Grundbrief ausgestellt. Er datiert vom 6. Juli 1743. Nicht gleich trat es als Gasthof in Erscheinung. Seine massive und geräumige Bauart beweist, dass es ein für bestimmte Berufe berechnetes Typenhaus war, Häuser, die nach dem Willen des Soldatenkönigs vorbildlich für die gesamte Monarchie sein sollten.

 

Mit Waisenstraße 13 war ursprünglich die Backgerechtigkeit verbunden und der erste Eigentümer war der Bäckermeister Abraham Brüning. Seine Frau Anna Maria, aus der alten Potsdamer Familie Zech, heiratete nach dem Tod ihres Mannes nicht, wie es damals üblich war, wieder einen Bäcker, sondern den Füselier Johann Roth.

 

In diese Zeit, 1752, ist das Haus zu einem Gasthause geworden und die Bäckerei wurde in ihm nicht mehr ausgeübt. Die Bäckereigerechtigkeit, die immer noch auf dem Grundstück haftete, ist dann erst 1767 für 60 Taler verkauft worden und wurde auf Waisenstraße 60, dessen Eigentümer der Bäcker Busse war, übertragen.

 

Die Frau Roth ging, nachdem auch ihr zweiter Gatte gestorben war, eine dritte Ehe mit dem Bierschenker Johann Dampf ein, der sie überlebte und das Anwesen 1791 an den Viehmäster (auch ein alter Potsdamer Beruf!) Christoph Brünning, einem Verwandten seiner Frau verkaufte.

 

Man muss sich erinnern, dass in alter Zeit der westliche Lauf der Lennéstrasse die "Viehmäster- strasse" hieß. Im Adressbuch von 1798 wird der Gasthof mit Ausspannung "Zum Goldenen Schwan" genannt, damals hatte ihn die Witwe des Schuhmachermeisters und Bierschenkers Kurtz in Besitz. Mit der ausbleichenden Vergoldung des Schwans über der Eingangstür verschwand aber auch die Bezeichnung "Goldener Schwan".

 

So ist es erklärlich, dass sich neben dem "Schwan" in der Waisenstraße ein neuer "Goldener Schwan" der Witwe Pille in der Lindenstraße 12 einschieben konnte. Der alte "Goldene Schwan" war zum "Weißen Schwan“ geworden. So erscheint dann im Adressbuch von 1836 der Gastwirt Andreas Friedrich Lier oder Liere, wie ihn das Grundbuch nennt, ausdrücklich mit dem Titel: Wirt zum "Weißen Schwan".

 

Der Gasthof war seit alter Zeit eine Herberge der Kaufleute; eine große, noch im neunzehnten Jahrhundert vorhandene Waage, die in der Toreinfahrt aufgehängt war, wies daraufhin. Das Haus war von 1829 bis 1894 im Eigentum der Familie Liere, die Wirte des Gasthofs wechselten häufig. Wirt vom "Weißen Schwan" war 1849 Balzer und 1856 Rietz, wie die Adressbücher nachweisen.

 

Am Donnerstag, dem 3. Januar 1861, zeigte Otto Naetebusch einer geehrten Einwohnerschaft an, dass er zum 1. Januar des Gasthof "Zum Goldenen Schwan" übernommen habe. Für kurze Zeit tauchte also der althistorische, ursprüngliche Name aus der Versenkung wieder auf. Der neue Inhaber schenkte "Bayrisches, Werdersches und Weißbier" aus und teilte mit, dass täglich Fremdenzimmer bei ihm geheizt seien. Auch Potsdamer Spezialgerichte wurden "in und außer Hause" angeboten, so zum Beispiel "Delikater Hecht" und Hasenbraten.

 

Als neuen Wirt, nun aber wieder zum "Weißen Schwan", verzeichnet dann das Adressbuch von 1863 Herrn Woltersdorf. Das Haus Waisenstraße 13 ging durch Auflassung vom 7. Dezember 1894 in das Eigentum des Gastwirts August Schultz über. Seine Schwiegertochter, Frau Martha Schultz, hat jetzt das gesamte Innere des Hauses in sehr geschmackvollem modernem Stil erneuern lassen und ist bemüht, den altüberlieferten gutbürgerlichen Charakter des "Schwans" zu neuen Ehren zu bringen.

 

Die Inneneinrichtung soll noch durch eine altfriderizianische "Putzstube" ergänzt werden. Heute trifft hier Tradition auf Moderne. Das frisch sanierte Gebäude beherbergt im linken Erdgeschoß ein traditionelles, mit viel dunklem Holz gemütlich eingerichtetes Café-Restaurant, mit moderne und dezenter Dekoration sowie gemütlicher Beleuchtung. Erst die beliebten Klassiker der saisonalen Küche wie Hüftsteak mit frischen Pfifferlingen, Spargel- und Grillgerichte vom Lavasteingrill oder Bandnudeln mit Steinpilzen zu vernünftigen Preisen genießen. Anschließend den Abend zwischen den Rosensträucher im Biergarten oder auf der Terrasse vor dem Restaurant mit einem Drink ausklingen lassen.